Peking 2008 weiterhin fest im Blick

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Aus „Main-Spitze“ vom 02.09.2006, Von Stephen Lämmerhirt:

Sascha Adrian sammelt bei Ruder-WM wertvolle Erfahrungen / Dank Sport im gewohnten Umfeld

ETON/RÜSSELSHEIM Der Blick ist weiterhin fest auf die Paralympics 2008 in Peking (China) gerichtet. „Sascha möchte in Peking nicht mitrudern, sondern ganz vorne anklopfen“, formuliert Vater und Betreuer Wolfgang Adrian das Ziel. Diesen Ambitionen hat auch das aktuelle Abschneiden bei der Ruderweltmeisterschaft in Eton, etwa 30 Kilometer von London entfernt, keinen Abbruch getan, obgleich sich die leise Hoffnung auf das Erreichen des A-Finales nicht erfüllt hatte. Wie berichtet, belegte Sascha Adrian auf dem Dorney Lake, der gerade fertig gestellten Rennstrecke der Olympischen Spiele 2012, im Handicap-Einer AM1x letztlich den neunten Rang.

„Meine Enttäuschung über das Verpassen des A-Finales ist nicht allzu groß. Es war wichtig dabei zu sein und zu schauen, wo man steht“, weist der 21-jährige Skuller vom Rüsselsheimer RK (RRK), der seit einem schweren Verkehrsunfall am 8. Mai 2005 querschnittsgelähmt ist, darauf hin, dass in dieser 2008 erstmals paralympischen Bootsklasse bislang keine internationalen Regatten ausgetragen werden. „Es wartet noch viel Arbeit auf uns. Und wir werden noch große Hilfe von außen brauchen“, fanden Vater und Sohn in Großbritannien die Erkenntnis bestätigt, dass im Bereich des Handicap-Ruderns andere Nationen bei den Trainingsmethoden, dem professionellen Trainingsumfeld und dem Umgang mit den speziellen Booten einen riesigen Vorsprung besitzen. Der Trainingsrückstand des Jüngsten im zwölfköpfigen Teilnehmerfeld, der erstmals an Ostern in seinem neuen Ruderboot saß, tat ein Übriges. Und so wurden besonders im Vorlauf die Unterschiede deutlich. Der alte und neue australische Weltmeister Dominic Monypenny erreichte beim direkten Aufeinandertreffen 55 Sekunden vor Adrian das Ziel.

Dass es im Vorlauf noch nicht so optimal wie gewünscht für ihn lief – im Hoffnungslauf und B-Finale steigerte sich Adrian enorm -, hatte auch schlicht menschliche Gründe. „Dies war mein erstes Rennen bei einer so großen Regatta. In so einem Umfeld, in dem 10000 bis 15000 Zuschauer an der Strecke die Athleten anfeuern, ist es schwierig, sich voll und ganz auf die eigene Leistung zu konzentrieren. Da ist selbst eine deutsche Meisterschaft gar nichts dagegen“, hinterließ die Weltmeisterschaft beim Elektrotechnikstudenten an der Rüsselsheimer FH einen tiefen Eindruck.

Nach einer kurzen Verschnaufpause, die WM war Saisonhöhepunkt und -abschluss zugleich, steht für Sascha Adrian nun das Wintertraining und die Saisonplanung 2007 an. 20 bis 30 Stunden Training in der Woche, unter anderem weiterhin bei RRK-Coach Udo Hild, hat sich der 21-Jährige vorgenommen, um zügig Anschluss an die Weltspitze zu finden. Ein Aufwand, den Sascha Adrian gerne in Kauf nimmt. „Das Training hilft mir körperlich; es steigert meine Leistungsfähigkeit. Und es ermöglicht mir, in einem gewohnten Umfeld zu bleiben. Schließlich habe ich auch vorher schon gerudert „, erklärt der 21-Jährige, der vor seinem Unfall 64 nationale und internationale Regattasiege, zwei hessische und einen deutschen Titel für den RRK gewann. Und hier schließt sich der Kreis. „Das Rudern beschert mir nicht zuletzt Erfolgserlebnisse“, sagt Sascha Adrian. Das nächste soll 2007 bei der Weltmeisterschaft in München folgen …

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Sascha Adrian auf dem Dorney Lake − Start zum B-Finale (von vorn: 6 Brasilien, 5 Kroatien, 4 Brasilien, 3 Spanien, 2 Deutschland, 1 Hongkong)

Vorlauf: 1. Monypenny 5:36,67; 4. Adrian 6:31,21. – Der Erste erreicht das A-Finale.

Hoffnungslauf: 1. Jeff Stanfield (Kanada) 5:52,26; 2. Pierre Paugam (Frankreich) 5:54,70; 4. Adrian 6:15,95. – Die ersten Zwei haben das A-Finale erreicht.

B-Finale: 1. Xiao Hui Luo (China) 5:57,00; 2. Luis Miguel Castro Cermone (Spanien) 6:07,23; 3. Sascha Adrian (RRK) 6:17,84.

Handicap-Einer AM1x, 1000 m, A-Finale: 1. Dominic Monypenny (Australien) 5:28,87min; 2. Ron Harvey (USA) 5:41,83; 3. Shaun Sewell (Großbritannien) 5:55,23.